Katja Kölle
Der Klang der unsichtbaren Viers // Stadtbesetzung
Klangkünstlerin Katja Kölle erweckt in der Viersener Innenstadt den Dorfer Bach - seit langem verrohrt unter der Straße - auditiv zum Leben.
An fünf Klanginstallationen zwischen Dülkener Straße 16, Goetersstraße und Diergardtplatz sind sein Plätschern, das Klappern eines Mühlrades und Badelärm zu hören, täglich 11-13 Uhr und 15-17 Uhr
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Der Name „Dorfer Bach“ weist auf den Viersener Kern-Stadtteil „Dorf“. Die ursprüngliche Bezeichnung „Verse/Viers“ gab der ersten Siedlung an seinen Ufern den Namen. Der wasserreiche Bach entsprang in über 100 Quellen im Gebiet der erhaltenen Kaisermühle und bildete den Mühlenweiher. Die vereinten Quellgewässer liefen offen die Kaiser- und Dülkener Straße hinunter und in den Dorfer Weiher. Die Viers unterquerte die Hauptstraße unter einer der hölzernen Brücken, trieb an der Goetersstraße, in der Nähe der heutigen Galerie im Park, bis 1908 die Goetersmühle an und speiste ein öffentliches Schwimmbad.
Ab der Kaisermühle ist der Bach heute kanalisiert, am Stadtrand tritt er aber wieder als offener Graben zu Tage.
Im Projekt Stadtbesetzung lassen nun im Sommer 2026 versteckte Lautsprecher am alten Bachverlauf von der Quelle bis in die Innenstadt die Fließgeräusche, das Bachplätschern, das Klappern des Mühlrades und den Lärm der Badenden wieder aufleben, irritieren, wecken Erinnerungen und machen neugierig auf die Vergangenheit. Zugleich weist der surreale Ort auf das Wasser hin, das bis heute verborgen unter dem Asphalt fließt.
Angeregt wird auch zur Kommunikation über Schönheit und Nutzen von Wasserläufen im Stadtgebiet. Ein Projekt des Instituts für Landschaftsarchitektur an der RWTH Aachen analysierte im WS 2023/24 notwendige Klimafolgenanpassungen im Viersener Stadtkern. Hohe Versieglungsgrade, dichte Bebauung und geringer Grünflächenanteil erzeugen einen starken Hitzeinseleffekt bei zugleich extremer Dichte hitzesensibler Personengruppen und sozialer Einrichtungen. Das ungenutzte Potential des Dorfer Bach griffen Studierende auf und entwarfen Ideen für eine (Teil-) Offenlegung als blau-grüne Infrastruktur, die zu einer klimaangepassten Stadtentwicklung beitragen könnte.
Die 1955 in Hamburg geborene Klangkünstlerin Katja Kölle komponiert und entwickelt seit 1979 Notationen, Farb-Ton-Projekte und Klangobjekte. Seit 1992 widmet sie sich schwerpunktmäßig ortsbezogenen Installationen und lässt klingende und mitunter auch leuchtende und olfaktorisch akzentuierte Räume entstehen. Sie studierte Malerei, Visuelle Kommunikation und Kunstwissenschaft an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und an der Kunstakademie Düsseldorf (Meisterschülerin) sowie Musik an der Universität Wuppertal. Katja Kölle war an zahlreichen internationalen Klangkunst-Festivals und Klangkunst-Ausstellungen beteiligt und 2004 Preisträgerin des Deutschen Klangkunst-Preises. www.katja-koelle.de
Zum Projekt erscheint ein Flyer, kostenlos erhältlich in der Städtischen Galerie im Park, Rathauspark 1, Tel. 02162 – 101 160.
Er liegt zudem zu den Öffnungszeiten an verschiedenen Stellen aus, z.B. Servicecenter im Stadthaus Viersen, Albert-Vigoleis-Thelen-Stadtbibliothek, Remigiuskirche.
Termine
Donnerstag, 27.08.2026, 15 Uhr: Klangspaziergang mit Katja Kölle. Anschließend Austausch bei Kaffee und Kuchen. Treffpunkt Galerie im Park
Samstag, 29.08.2026, 11 Uhr: Auf den Spuren der Viers – Führung mit Beatrix Wolters, Vorsitzende Verein für Heimatpflege e.V. Viersen. Treffpunkt an der Kaisermühle/Noppdorf, Viersen
Samstag, 05.09.2026, 11–13 Uhr: Verborgene Klänge —Kulturrucksack-Schreibwerkstatt für Jugendliche von 10–14 Jahren im Rahmen des Art-Action-Wochenendes mit Sigrid Blomen-Radermacher. Ort: Galerie im Park. Entgeltfrei, Anmeldung erforderlich
Informationen und Flyer:
Galerie im Park, Rathauspark 1, 41747 Viersen
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa 15–18 Uhr, Do 15-20 Uhr, So 11–18 Uhr
Telefon 02162 101-160
galerie@viersen.de
Bildnachweis: Brücke über den Dorfer Bach an der Hauptstraße. Verein für Heimatpflege e.v. Viersen
Ein herzlicher Dank geht an die „Klanginstallationspaten“: Einrahmungen Kiwitz (Dülkener Straße), Geschäftsstelle des CDU-Kreisverbandes (Goetersstraße), Katholische Kirchengemeinde St. Remigius Viersen (Goetersstraße), Zahnarztpraxis am Diergardtplatz, Dr. Christian Tiulea, sowie private Unterstützerinnen und Unterstützer
„Der Klang der unsichtbaren Viers“ ist Teil des Projektes Stadtbesetzung des Kultursekretariats NRW Gütersloh und wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. www.stadtbesetzung.de
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